1. Was bedeutet der Begriff Legasthenie?

Der Begriff Legasthenie wurde im Jahr 1916 durch den Psychologen Ranschburg geprägt und bedeutete ursprünglich und wörtlich übersetzt „Leseschwäche“. Heute bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation WHO mit dem Begriff Legasthenie eine Lese-/Rechtschreibstörung als umschriebene Entwicklungsstörung, die durch ausgeprägte Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder des Rechtschreibens gekennzeichnet ist. Dabei wird die erbrachte Leistung des Kindes in Beziehung zu Alter und Intelligenzquotient (IQ) gesetzt. Die Kriterien für das Vorliegen einer Legasthenie sind demnach erst dann erfüllt, wenn die Lese- und/oder Rechtschreibleistungen normal beschulter Kinder, die zudem weder neurologische Erkrankungen noch psychische Störungen aufweisen, bedeutsam von deren geistigen Leistungsfähigkeiten abweichen. Allerdings werden der Begriff und die zugrundeliegenden Kriterien in der Fachwelt vielfach kritisiert.

2. Was bedeutet der Begriff Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS)?

Die Beschäftigung mit Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben ist immer auch geprägt von der Auseinandersetzung um eindeutige und fachgerechte Definitionen. Dies umso mehr, da die Übergänge zwischen leichten und schweren Beeinträchtigungen sehr fließend sind. So summieren zahlreiche Autoren heutzutage unter einer LRS alle auffälligen und sehr hartnäckigen Probleme und Schwierigkeiten, die Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene beim Erwerb des Lesens und Rechtschreibens – unabhängig von Alter, der geistigen Begabung, der Herkunft oder der sozialen Schichtzugehörigkeit – haben können.

3. Woran erkenne ich eine Lese-/Rechtschreibschwäche?

Wenn wir von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Problemen im Lesen und Schreiben sprechen, dann haben wir es prinzipiell mit einer sehr großen Bandbreite von Erscheinungsbildern zu tun. Insofern gibt es auch nicht die typischen LRS-spezifischen Fehler. Bei vielen Kindern, die das Lesen und Schreiben erlernen, fallen Unsicherheiten und Fehler auf. Kinder mit LRS oder Legasthenie machen die gleichen Fehler. Allerdings treten diese weitaus häufiger und deutlich länger zutage als bei anderen Kindern.
Anzeichen können sein: Probleme beim Unterscheiden und Schreiben von Buchstaben; das Weglassen, das Verdrehen oder auch zusätzliche Hinzufügen von Buchstaben; viele Fehler beim Abschreiben; eine unleserliche Handschrift; das gleiche Wort wird mal so, mal so geschrieben; stockendes, langsames Lesen; Probleme, die Laute beim Lesen zusammenzuziehen; der Sinn des Gelesenen wird nicht verstanden; das Kind verweigert sich dem Lesen und Schreiben; regelmäßige Spannungen zwischen Kind und Eltern bei der Hausaufgabensituation …

In der Mehrzahl der Fälle sind Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu beobachten. Isolierte Störungen sind seltener vorzufinden.

Wichtig: Wenn Ihr Kind im Lesen und Schreiben trotz Hilfestellungen und vielen Übens regelmäßig hinter seinen sonstigen Leistungen zurückbleibt, dann sollten Sie schon frühzeitig professionelle Hilfe aufsuchen. Je früher mögliche Probleme erkannt werden, desto besser kann Ihrem Kind geholfen werden und desto besser ist die Prognose!

4. Woran liegt es, dass mein Kind nicht so gut lesen und schreiben kann?

Für die Entwicklung von Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben spielen in der Regel ganz verschiedene Ursachen zusammen:

Genetik: Wesentliche Grundlage von Beeinträchtigungen ist nach heutigem Wissensstand der Einfluss der Vererbung. Das bedeutet, dass die Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten familiär gehäuft auftreten. Dabei scheinen die genetischen Bedingungen das Rechtschreiben weitaus stärker zu beeinflussen als den Leseprozess.

Informationsverarbeitung im Gehirn: Viele Wissenschaftler vermuten neurobiologische Hirnfunktionsstörungen als Ursache der Lese-/Rechtschreibschwäche. Insbesondere das auditive (und weit weniger das visuelle) Informationsverarbeitungssystem scheint dabei für Störungen im Lese-/Schreibprozess verantwortlich zu sein. Das bedeutet, dass z.B. die Fähigkeit, bestimmte Laute zu unterscheiden, gestört ist. Die Betroffenen haben dadurch Probleme, den einzelnen Lauten Buchstaben (beim Schreiben) und umgekehrt den Buchstaben Laute (beim Lesen) zuzuordnen.

Individuelle Lernvoraussetzungen: Insbesondere Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung stellen ein hohes Risiko für das Auftreten von Leseproblemen dar. Zudem zeigen zahlreiche Studien auf, dass lese-/rechtschreibschwache Kinder erhebliche Defizite im Bereich der sog. phonologischen Bewusstheit aufweisen. Damit wird die Fähigkeit beschrieben, schon im Vorschulalter ganz bewusst mit Lauten, Silben und Reimen umgehen zu können.

Soziale und weitere Ursachen: Neben den schon beschriebenen Ursachen gibt es weitere Faktoren, die zwar nicht als ursächlich angesehen werden, den Verlauf der Lese-/Schreib- entwicklung aber dennoch beeinflussen können. Hier sind insbesondere soziale Bedingungen wie ein geringer Bildungsstand der Eltern, mangelnde familiäre Unterstützung bei den Hausaufgaben, eingeschränkte Wohnverhältnisse, einseitige Freizeitgewohnheiten der Kinder, aber auch unter anderem das Engagement von Lehrkräften und die Qualität des schulischen Unterrichts zu nennen.

5. Wie und durch wen wird eine LRS bzw. Legasthenie festgestellt?

Um festzustellen, ob eine LRS oder Legasthenie vorliegt, bedarf es einer ausführlichen Diagnostik, an der unterschiedliche Stellen beteiligt sein sollten.
Eine wesentliche Bedeutung kommt zunächst der Schule zu. Der Lehrer des Kindes kann durch genaue Beobachtung oder durch Tests den Leistungsstand im Lesen und Schreiben, aber auch das gesamte Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten beschreiben und beurteilen.
Schulpsychologische Stellen und/oder Ärzte für Kinder- und Jugendpsychologie führen bei Verdacht auf LRS / Legasthenie weitere Testverfahren durch. In der Regel einen standardisierten Rechtschreibtest, einen standardisierten Lesetest und einen standardisierten Intelligenztest.
In die Gesamtbeurteilung fließt weiterhin ein ausführliches Gespräch (Anamnese) über die familiäre Situation sowie den bisherigen Lebens- und Entwicklungsverlauf ein (z.B. die Sprechentwicklung, schon durchgeführte logopädische oder ergotherapeutische Behandlungen, mögliche motorische- oder Konzentrationsprobleme, Probleme beim Erkennen von Reimen, LRS in der Familie …).
Im Rahmen der ärztlichen Untersuchungen können auch Funktionen des Hörens und Sehens überprüft werden, um evt. vorhandene medizinische Ursachen ausschließen zu können.
Letztendlich dient eine sorgfältige Diagnose nicht nur der Feststellung der LRS sondern stellt zudem eine geeignete Grundlage für eine gezielte Förderung dar.

6. Kann LRS/Legasthenie bereits vor Schuleintritt festgestellt werden?

Zahlreiche Autoren gehen davon aus, dass durch die Früherkennung der Ursachen der Lese-/Rechtschreibschwäche, deren Entwicklung und Ausbreitung vorgebeugt werden kann. Allerdings ist es noch nicht möglich, bereits vor Schulbeginn eine LRS/Legasthenie sicher zu diagnostizieren.
Dennoch können frühzeitig bestimmte vorschulische Auffälligkeiten und ungünstige soziale Startbedingungen identifiziert werden, die im weiteren Verlauf Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten erwarten lassen. Hierzu zählen beispielsweise:

  • ein verzögerter Sprechbeginn und Schwierigkeiten bei der Aussprache
  • Probleme beim Erkennen von Reimen, Silben oder einzelnen Lauten
  • LRS in der Familie
  • Kinder mit Deutsch als Zweitsprache oder komplexem Migrationshintergrund

Ein deutschsprachiges Testverfahren zur Früherkennung von Lese- und Rechtschreib-schwierigkeiten ist das sog. Bielefelder Screening (BISC). Es hat das Ziel, Risikokinder bereits im Kindergarten zu identifizieren.

Welche Maßnahmen zur Unterstützung / Förderung gibt es bei LRS/Legasthenie?
Kinder mit Problemen im Lesen und Schreiben benötigen möglichst frühzeitig gezielte Hilfestellungen. Gewinnbringend ist es, wenn alle beteiligten Institutionen sehr eng zusammenarbeiten.

Familiäre Unterstützung: Basis für eine positive Entwicklung ist der Rückhalt in der Familie und die Anerkennung des Kindes trotz schlechter Leistungen im Lesen und Schreiben. Aber auch die behutsame Unterstützung bei den Hausaufgaben, gemeinsames Üben und die Ermunterung zum regelmäßigen Lesen sind notwendig.

Schulische Unterstützung: der Schule kommt bei der Feststellung von Problemen im Lesen und Schreiben, aber auch bei der Förderung der betroffenen Kinder große Bedeutung zu. Zentrale Aufgabe ist es, Eltern kompetent zu beraten und schulische Förderangebote zu unterbreiten. Darüber hinaus besitzt die Schule Möglichkeiten, Betroffene durch Notenschutz- bzw. Nachteilsausgleichsregelungen psychologisch zu entlasten (z.B. Befreiung von Diktaten, Zeitzuschlag bei Prüfungen, vermehrte mündliche Noten, Nutzung technischer Hilfsmittel …).

Außerschulische Fördermaßnahmen: verschiedene Berufsgruppen und Institutionen bieten Beratung und/oder spezielle Förderung bei LRS/Legasthenie an. Neben Kinder-/ und Jugendpsychologen, psychologischen Beratungsstellen, Erziehungsberatungsstellen, dem schulpsychologischen Dienst, Elternselbsthilfegruppen, Jugendämtern … bieten auch zahlreiche private Anbieter wie z.B. Legasthenietrainer, Ergotherapeuten, Logopäden, oder spezialisierte LRS-Praxen ihre Dienste an.

Dabei lassen sich grob zwei unterschiedliche Förderkonzepte unterscheiden:
Förderprogramme, die an den Symptomen der LRS/Legasthenie ansetzen und ganz gezielt Teilprozesse des Lesens und Schreibens trainieren.
Demgegenüber stehen alternative Programme, die vorgeben, direkt die Ursachen der Legasthenie, z.B. basale Wahrnehmungsstörungen, zu behandeln (Blicksprungtraining, Ordnungsschwellentraining … ). Allerdings sind letztgenannte Therapieformen kaum wissenschaftlich überprüft, sodass – im Gegensatz zu den symptomorientierten Maßnahmen – keine Wirksamkeitsnachweise vorliegen.

Einsatz technischer Hilfsmittel: unterstützende Technologien und Kompensationssoftware wie Kurzweil 3000 oder Sprint plus  helfen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – unabhängig vom Schweregrad der Probleme im Lesen und Rechtschreiben – eigenständig zu lernen und zu aktiven Lesern und Schreibern zu werden (siehe Punkt X).

7. Wie entwickeln sich Kinder mit LRS/Legasthenie?

Diese Frage ist nur sehr allgemein zu beantworten, da sich Kinder mit LRS individuell ganz unterschiedlich entwickeln und sehr viele Faktoren den weiteren Verlauf beeinflussen können. Allgemein gilt: Je früher eine LRS/Legasthenie erkannt wird und je früher die Betroffenen gezielt unterstützt und gefördert werden, desto günstiger ist die Prognose. Kaum einem Kind, das in der 2.Klasse  noch immer größere Probleme im Lesen und Rechtschreiben aufweist, gelingt es ohne spezielle Förderung, die Schwierigkeiten bis zum Ende der Schulzeit zu überwinden. Bei Kindern mit isolierter Rechtschreibproblematik ist der Verlauf individuell sehr verschieden. Während ca. ein Drittel den Rückstand zu den Klassenkameraden aufholt, behält der Rest die Schwierigkeiten weitgehend bis ins Erwachsenenalter bei. Kinder mit isolierter Leseschwäche behalten die Probleme im Lesen – primär ein recht langsames Lesetempo – weitestgehend bis ans Ende der Schulzeit bei. Betrachtet man die langfristige Entwicklung, so zeigen zahlreiche Studien, dass Jugendliche mit LRS/Legasthenie insgesamt ein deutlich geringeres Schulabschlussniveau und auch ein geringeres Berufsausbildungsniveau erreichen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung haben vor allem die individuellen geistigen Fähigkeiten und Lernvoraussetzungen, ein fürsorgliches, unterstützendes Elternhaus sowie die Frühzeitigkeit, Langfristigkeit und die Qualität einer gezielten Förderung!

8. Gibt es einen Zusammenhang zwischen LRS und Problemen in der Fremdsprache?

Kinder und Jugendliche mit Problemen im Lesen und Schreiben haben sehr häufig auch in den Fremdsprachen mit erheblichen Problemen zu rechnen. Ähnlich wie im Deutschen, bereitet den Betroffenen auch im Englischen und Französischen die sehr unregelmäßige Zuordnung von gesprochenen Lauten zu Buchstaben Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass insbesondere im Französischen, die Vielzahl ähnlich klingender Laute für Kinder mit LRS schwer zu differenzieren ist.
Aufgrund des engen Zusammenhangs erscheint es sehr wichtig, dass die von LRS Betroffenen auch in der Fremdsprache frühzeitig Unterstützung erhalten und auch die Fremdsprache in eventuellen Nachteilsausgleichsregelungen Berücksichtigung findet.

10. Kann Nachteilsausgleich bzw. Notenschutz meinem Kind helfen?

Bei Vorliegen einer LRS/Legasthenie kann den betroffenen Kindern ein sogenannter Nachteilsausgleich gewährt werden. Sinn und Zweck dieser speziellen Form schulischer Hilfe ist es, Kinder und auch deren Eltern psychisch zu entlasten. Nicht selten entwickeln sich nämlich bei den Betroffenen aufgrund andauernder Misserfolge und enormer emotionaler Belastungen psychische Auffälligkeiten. Der Notenschutz, der im Zeugnis vermerkt und von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich umgesetzt wird, umfasst dabei einen Katalog verschiedenster, entlastender Maßnahmen:

  • Diktate fließen weniger in die Deutschnote ein.
  • Zeitverlängerungen bei Leistungskontrollen werden gewährt.
  • Mündliche Noten werden stärker gewichtet.
  • Computerprogramme können genutzt werden.

Ein individuell gestalteter Nachteilsausgleich kann ein betroffenes Kind seelisch entlasten und emotional entspannen. Auch ist der Übertritt auf eine weiterführende Schule für viele Kinder ohne Nachteilsausgleich nur schwer erreichbar. Andererseits muss unbedingt darauf hingewirkt werden, dass das Kind gleichzeitig eine adäquate Förderung erhält, um die vorhandenen Defizite auch abbauen zu können.
Details und die individuelle Ausrichtung werden in der Regel im Gespräch mit Lehrer, Eltern und dem schulpsychologischen Dienst festgelegt.

11. Können die Kosten für eine außerschulische Förderung übernommen werden?

Die Finanzierung einer außerschulischen Therapie stellt Eltern häufig vor große Probleme. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist nicht gegeben, da die Lese-/Rechtschreibstörung keine Krankheit ist. Und auch eine Kostenübernahme seitens der zuständigen staatlichen Stellen, ist an sehr enge Vorgaben geknüpft. Zwar sind die Jugendämter gemäß § 35a SGB VIII verpflichtet, Eingliederungshilfe zu gewähren, allerdings erst dann, wenn eine LRS/Legasthenie attestiert ist und dem Kind zugleich eine seelische Behinderung droht. Von einer seelischen Behinderung – im Sinne des SGB – bedroht sind Kinder und Jugendliche, bei denen eine Beeinträchtigung ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nach fachlicher Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Dies führt in der Praxis dazu, dass nur ein geringer Anteil der Betroffenen – und auch nur für einen meist nicht ausreichend langen Zeitraum – eine Kostenübernahme erwarten kann. Viele Eltern sind somit gezwungen, die Therapie aus eigener Tasche zu bezahlen.

12. Gibt es einen Zusammenhang zwischen LRS und Verhaltensauffälligkeiten?

Zahlreiche Studien belegen einen relativ hohen Zusammenhang zwischen Lese-/ Rechtschreibschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten. In der Kindheit sind dabei Probleme im Lesen und Schreiben sowie Lernschwierigkeiten vor allem mit Aufmerksamkeitsproblemen und Hyperaktivität verknüpft. Im Jugendalter hingegen scheint ein enger Zusammenhang mit aggressivem und antisozialem Verhalten zu bestehen. Allerdings ist es sehr schwer festzustellen, ob Probleme im Lesen und Schreiben – und die damit verbundenen emotionalen Belastungen – die Ursache für Verhaltensauffälligkeiten sind, oder ob nicht umgekehrt, bereits vorhandene Verhaltensauffälligkeiten die Lese- und Schreibprobleme mitverursachen.

Sehr wahrscheinlich bedingen sich die Störungsbilder gegenseitig und vielfach bereits im Kindesalter vorhandene Verhaltensstörungen werden dann durch Probleme im Lesen und Schreiben noch zusätzlich verstärkt.

Positiv zu erwähnen ist allerdings, dass es den meisten Betroffenen im Erwachsenenalter sehr gut gelingt, die psychosozialen Störungen abzulegen. Dies erklärt sich dadurch, dass die Fertigkeiten des Lesens und Rechtschreibens dann nicht mehr die zentrale Bedeutung einnehmen, wie dies im Schulalltag noch der Fall ist.

13. Wie kann Kompensationssoftware meinem Kind helfen?

Kinder mit LRS/Legasthenie erleben beim Lesen und Schreiben viele Misserfolge und Frustrationen. Dies führt sehr häufig dazu, dass die Betroffenen die Lust am Lesen und Schreiben verlieren und Vermeidungsstrategien entwickeln. Für diese Kinder ist das Lesen und Schreiben am Computer – insbesondere mit unterstützender Software – sehr motivierend und auf vielfältige Weise hilfreich.
Beim Schreiben am Computer, wenn Wörter sehr behutsam für das Auge aufgebaut werden, wird den Kindern – unterstützt durch leises Mitsprechen – der direkte Zusammenhang zwischen gesprochenen Lauten und den geschriebenen Buchstaben sehr deutlich vor Augen geführt. Dabei werden den Betroffenen sehr anschaulich die grundlegenden Einsichten in die Prinzipien der Schriftsprache vermittelt.

Schriftgröße, Schriftart und Layout können, im Gegensatz zur Handschrift, individuell eingestellt werden und erleichtern dadurch das Lesen, aber auch das Schreiben. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass ein größerer Abstand zwischen den Buchstaben Kindern mit Legasthenie hilft, schneller und fehlerfreier zu lesen.

Integrierte Vorlesefunktionen erlauben es den Betroffenen jegliche Dokumente, Internetseiten, E-Mails schneller zu erfassen und fördern zudem Leselust und Leseverständnis.
Integrierte Rechtschreib- und intelligente Wortvorhersageprogramme helfen den Betroffenen, nahezu fehlerfreie Texte zu schreiben.
Bei Anforderungen an den schriftlichen Ausdruck (Aufsätze …) tun sich lese-/recht- schreibschwache Kinder schwer. Sie trauen sich wenig zu, bringen nur wenig aufs Papier, haben Angst vor Fehlern und der Schreibvorgang insgesamt bereitet ihnen große Anstrengung. Kompensationssoftware trägt erheblich dazu bei, die Angst vor dem Schreiben zu nehmen.
Von LRS/Legasthenie Betroffene haben zudem große Probleme, selbstgeschriebene Texte zu kontrollieren und die Schwächen des eigenen Textes zu erkennen. Integrierte Vorlesefunktionen und die Markierung von Schreibfehlern erleichtern die Überarbeitung enorm.
Das selbständige Lesen, Schreiben und Lernen wird gefördert.
Grundsätzlich scheint die selbständige Arbeit mit Textverarbeitungsprogrammen und geeigneter Kompensationssoftware weitaus sinnvoller zu sein als mit reinen Rechtschreibförderprogrammen, da diese ohne fundierte, begleitende pädagogische Unterstützung oft keine Wirksamkeit entfalten.

14. Was bedeutet OCR?

OCR ist die Abkürzung für Optical Charakter Recognition (optische Zeichenerkennung) und bezeichnet ein Verfahren, das die Umwandlung von eingescannten Dokumenten oder beispielsweise pdf-Dateien in bearbeitbare Dokumente ermöglicht. Die beim Scannen erzeugten Bilddateien oder Rastergrafiken werden sozusagen automatisch in vorlesbare und weiterverarbeitbare Textinformationen umgewandelt.

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